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Die Stadtreinigung Hamburg kann aufgrund der Wetterverhältnisse derzeit nicht alle Straßen mit ihren Müllfahrzeugen befahren. Es kann dazu...
Im Schaufenster steht eine Schneiderpuppe in einem weißen Kleid im Stil des Barock. Ein Schriftzug leuchtet in hellem Neonlicht. Drinnen hängen an den Wänden etliche Schnittmuster, Garne in verschiedensten Farben und Scheren in unterschiedlichsten Ausführungen. Wir sind im Atelier von Markus Eickmans. Schon seit zehn Jahren ist es in einem der zwölf Grindelhochhäuser in Eimsbüttel zu finden. Seit 2022 führt es der Wahl-Hamburger.
Markus Eickmans ist gelernter Gewandmeister und Kostümdesigner. Das Atelier an der Hallerstraße hat er von den ehemaligen Besitzern Christina Wüstner und Thomas Stoess übernommen. „Die Selbstständigkeit habe ich mir natürlich reiflich überlegt, aber große Bedenken hatte ich eigentlich keine. Natürlich musste ich das Atelier übernehmen, sonst hätte ich mir später in den Hintern gebissen“, lacht er. Zu seinen Kunden gehören Bewohnerinnen und Bewohner aus der Umgebung, Bräute und Drag Queens. Sie alle kommen für Anfertigungen, Reparaturen oder Änderungen. Manchmal bringen Kundinnen und Kunden hochpreisige Lieblingsstücke zu ihm. Es kommt auch mal vor, dass ein Blazer im Wert eines Kleinwagens auf seinem Zuschneidetisch liegt. Ein großer Vertrauensbeweis.
Die erste richtige Begegnung mit einer Nähmaschine hatte Markus Eickmans bei einem Praktikum nach seinem Abitur im Atelier von Maria Lucas in Köln. Schnell waren seine Neugier und die Liebe für das Handwerk und Kostüme entfacht. Sein ursprünglicher Plan, Modedesign zu studieren, war damit vom Tisch. „Mit den eigenen Händen etwas zu schaffen ist doch viel geiler, als in der Uni zu sitzen“, sagt der 34-Jährige. Sein Weg führte ihn weiter nach Wuppertal: zum ehemaligen privaten Theater „Gala Dinner“, um dort eine Ausbildung zum Maßschneider zu machen. Danach folgten drei Jahre am Staatstheater Stuttgart. Für sein nächstes Ziel ist Markus Eickmans nach Hamburg gezogen: die Ausbildung zum Gewandmeister. An der Anna-Siemsen-Schule lernte er historische Kleider, Kragen und Korsetts zu fertigen.
Mit den eigenen Händen etwas zu schaffen ist doch viel geiler, als in der Uni zu sitzen
Markus Eickmans
Und Korsetts gehören mit zu seinen Lieblingskleidungsstücken: „Sie sind faszinierend, weil ich den Körper formen kann. Plötzlich ist da eine Taille, wo vorher keine war. Und ich schnüre immer gnadenlos!“ Aber am liebsten entwirft und schneidert Markus Eickmans mit seinem Team ausgefallene Kostüme. Da trifft der Spruch „Kleider machen Leute“ tatsächlich zu. Seine Kreationen verwandeln Menschen in Drag Queens – wie auch Kiezlegende Olivia Jones.„Olli bringt manchmal Kleider vorbei, die aufgemotzt werden sollen, oder Stoffe und andere Materialien für neue Kostüme“, erzählt er. Viele waren bereits in TV Produktionen wie „Viva la Diva“ und „Queen of Drags“ zu sehen. „Das Gewinnerkostüm von Yoncé Banks habe ich 2020 noch bei mir zu Hause an der Nähmaschine geschneidert und die Stoffe auf dem Boden zurechtgeschnitten“, erzählt er. Im Atelier hat er endlich genug Platz für seine Ideen. Für wen Markus Eickmans am liebsten etwas schneidern würde? „Ganz klar: Barbara Schöneberger!“